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Veranstaltung · Alte Schule, Sigmaringen

Sigmaringen liest / Kurt Oesterle: Die schlaffen Völker mit Göttersprüchen entzünden

Sonntag, 4. Oktober, 11:00 Uhr

Worum es geht

Der Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843) wurde lange für unpolitisch gehalten, einzig interessiert am Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod rief ihn der Nationalismus zum Sänger deutscher Vorherrschaft über Europa aus, freilich nicht, ohne seine Gedichte umzudeuten, ja, zu verfälschen. So wurde die Wahrheit verdrängt – nicht zuletzt auch von seiner Familie, die verheimlichen wollte, daß Hölderlin Mitwisser einer Verschwörung gegen den württembergischen Landesherrn gewesen war, für die andere im Gefängnis gesessen hatten. Ein Schweigekomplott, das so lange nachwirkte, bis in den 1960er Jahren zwei französische Hölderlin-Liebhaber – darunter der einstige Résistanceoffizier Pierre Bertaux – überzeugend darstellten, daß Hölderlin ein leidenschaftlicher Anhänger der Französischen Revolution gewesen war. Eine Entdeckung, die Sensation machte, als der Dramatiker Peter Weiss um 1970 sein „Hölderlin“-Stück veröffentlichte, das viele Male nicht nur in Ost- und Westdeutschland aufgeführt wurde. Weiss deutet Hölderlin darin als einen radikalen Dichter, der als erster in Deutschland die revolutionäre und künstlerische Praxis, Politik und Ästhetik, miteinander versöhnen wollte – aber scheiterte. Ungeachtet dieses Scheiterns legte der Historiker Gordon A. Craig den Deutschen zur Zeit der Wiedervereinigung Hölderlin als einen Streiter für die Demokratie ans Herz, den auch Einsamkeit und Krankheit nicht von seinem Ziel abbringen konnten. (erschienen im Gans Verlag, Berlin)

Auf einen Blick

Wann
Sonntag, 4. Oktober, 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr
Wo
Alte Schule, Sigmaringen

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